Kultur

Die Leute

Der gemeine Eulenthaler ist stereotypisiert schnell beschrieben: er lässt sich selten aus der Ruhe bringen, ist mit sich und der Natur im Reinen und ist neuen Ideen aufgeschlossen, soweit sie sein Lebensumfeld nicht zu sehr verändern - wobei letzteres von den teils sehr subjektiven Einschätzungen der einzelnen Eulenthaler abhängt und somit kaum allgemeinverbindliche Beispiele genannt werden können. "Leben und leben lassen" könnte man als wichtigsten Leitspruch der Eulenthaler bezeichnen. Sie unterstützen den Einzelnen im Erkennen und Ausprägen seiner Fähigkeiten und stehen stets der Gemeinschaft im Dienste. Eine echte Gemeinschaft eben!

Der Eulenthaler Wildkräuterkäse

Der traditionelle Eulenthaler Wildkräuterkäse

Die Weidehaltung des Eulenthals hat die Entstehung einer speziellen Käsesorte befördert, des "Eulenthaler Wildkräuterkäses". Die Milch von Kühen, die vorwiegend die frischen Almkräuter zu sich nehmen, wird in ihrer Rohform (als Rohmilch) untersucht und anschließend in einem Kessel "dick gelegt", dass heißt sie wird unter andauerndem Rühren langsam erhitzt, währen Milchsäurebakterien und Lab hinzu gegeben werden. Die herauskommende, gallertartige Masse wird mittels Käseharfe zerschnitten, sodass der Käsebruch entsteht, der etwa mittlere Größe hat, was am Ende für einen mittelfesten Hartkäse sorgen wird. Der Käsebruch wird nun erneut erhitzt, bei bis zu 45°C, und verfestigt sich stetig. Sobald die gewünschte Festigkeit erreicht ist, wird die Käsemasse in die Käseform gefüllt, wo die Molke wie in einem Sieb ablaufen kann. Durch mehrere Pressvorgänge wird zusätzliche Flüssigkeit herausgenommen. Beim folgenden Salzbad darf ausschließlich "Original Westeborner Höhensalz" verwendet werden um den richtigen Geschmack und die Rinde auszubilden. Im darauf folgenden Reifeprozess, der in einem traditionellen Reifekeller vollzogen wird, werden die Laibe regelmäßig mit einem speziellen Almkräuteröl behandelt, um ihr unverwechselbares Wildkräuterkäsearoma zu entfalten. Erst nach einer ausführlichen und lizenzierten Qualitätskontrolle darf das Endprodukt schließlich unter dem geschützten Namen "Eulenthaler Wildkräuterkäse" verkauft werden.

Die Badekultur (Dampfbäder und Kaltwannen)

Heissdampfbad nach Dr. Johann Hammelberg-Artria Bäder spielen in der Eulenthaler Kultur eine wichtige Rolle. Die Schriften des Kurarztes Dr. Johann Hammelberg-Artria, der Mitte des 19. Jahrhunderts zu den körperlichen Entbehrungen der Landbevölkerung und deren Behandlung forschte, sind von allgemeiner Bekanntheit. In diesen empfiehlt er das wöchentliche Heissdampfbad (tatsächlich handelt es sich um einen gefliesten Raum mit hoher Luftfeuchtigkeit) nicht unter 90° Lufttemperatur bei regelmäßigem Aufguss, gefolgt von einem kalten Guss oder Bad mit anschließender Ruhezeit, äquivalent zur Badezeit im Heissdampfbad. Das ganze ist ein zweites bis drittes Mal zu wiederholen. Eine Beeinflussung durch die Saunakulturen des Nordens bestritt er ein Leben lang, auch wenn eine deutliche Ähnlichkeit unverkennbar ist, die heutigen Bäder verwenden anstelle des traditionell-gefliesten Dampfbades sogar mehrheitlich Saunen.


Das erste Artria-Bad eröffnete 1856 in Eulenfurt. Hammelberg-Artria nutzte die in der Stadt zahlreich vertretene Studentenschaft als Probanden seiner Theorien und nahm so stetige Anpassungen an Reihenfolge, Zusammensetzung und einzelnen Bestandteilen des Baderitus vor, auch wenn sein Fokus nach wie vor auf der Landbevölkerung lag, für die er später ländliche Kurzentren errichten wollte. Dazu kam es jedoch nur vereinzelt.


Neben diesem wöchentlichen Ritus entwickelte sich insbesondere im städtischen Bürgertum eine ausführlichere Abfolge, die Teile antiker Badekulturen inkorporiert: nach einem kalten (7 - 10°) Reinigungsbad - dem optional sportliche Betätigung (etwa Schwimmen) oder ein ausdauernder Spaziergang vorausgeht - folgt meist eine Massage oder Ruhephase, in einem über Körpertemperatur beheizten Raum (37 - 38°). Anschließend wird das übliche Prozedere mit Heissdampfbad und Kaltbad fortgesetzt, wobei Wiederholungen hier unüblich sind. Abgeschlossen wird der Ritus meist mit einer reinigenden Dusche.

Die Artria-Bäder sind heute eines der einflussreichsten Unternehmen im Tourismussektor und verbinden die Thermalkuren ihres Begründers mit lokalen Angeboten wie Wander- und Skisport.


Bäder, die Kuren nach Hammelberg-Artria-Art anbieten: